| 1898
10. Februar: Eugen Berthold Friedrich Brecht in Augsburg geboren.
Sohn des kaufmännischen Angestellten, später Prokuristen
und Direktors der Haindlschen Papierfabrik Bertold Friedrich
Brecht (1869 - 1939) und seiner Frau Sophie geb. Brezing (1871
- 1920).
1904-17
Besuch der Volksschule, ab 1908 des Realgymnasiums in Augsburg.
Nach dem Notabitur 1917 Beginn des Studiums der Medizin
und der Philosopie an der Universität München.
1918-21
Von Oktober 1918 bis Januar 1919 Militärdienst in einem
Augsburger Lazarett. 1918 Erstfassung des Baal. 1919 Die
[Kleinbürger-] Hochzeit und andere Einakter. Am 30.
Juli 1919 Geburt von Brechts und Paula "Bi" Banholzers
Sohn Frank (gefallen 1943). Im November 1919 Exmatrikulation
nach vier Semestern Studium. Aufenthalte in Berlin, um sich
dort als Autor durchzusetzen.
1922
Im Januar wegen Unterernährung in der Berliner Charité.
Erstveröffentlichung des Baal. Im September Uraufführung
von Trommeln in der Nacht in München. Kleist-Preis
(auf Vorschlag des Kritikers Herbert Jhering). Am 3. November
Heirat mit der Opernsängerin Marianne Zoff. Bei den
Proben zu Trommeln in der Nacht in Berlin Erstbegegnung
mit Helene Weigel.
1923
12. März
Geburt von Brechts und Marianne Zoffs Tochter Hanne (Hiob).
Uraufführung von Im Dickicht der Städte in München,
von Baal in Leipzig.
1924
Uraufführung des gemeinsam mit Lion Feuchtwanger bearbeiteten
Marlowe-Stücks Leben Eduards des Zweiten von England
in München. Am 3. November Geburt von Brechts und Helene
Weigels Sohn Stefan. Im selben Monat endgültige Übersiedlung
nach Berlin. Erste Begegnung mit Elisabeth Hauptmann.
1925
Dramaturg unter Max Reinhardt im Deutschen Theater, zusammen
mit Carl Zuckmayer.
1926
Uraufführung von Mann ist Mann in Darmstadt. Vorarbeiten
zu einem Stück über Vorgänge an der New Yorker
Weisenbörse, dafür nationalökonomische Studien
und erste Beschäftigung mit der marxistischen Theorie.
Erste Konzeption des "epischen Theaters".
1927
Veröffentlichung von Bert Brechts Hauspostille, Im
Dickicht der Städte und Mann ist Mann. Uraufführung
des gemeinsam mit Kurt Weill erarbeiteten Songspiels Mahagonny
in Baden-Baden. Scheidung von Marianne Zoff.
1928
Im Januar Aufführung von Mann ist Mann in der Berliner
Volksbühne. Uraufführung der Dreigroschenoper
(Musik von Kurt Weill) im Theater am Schiffbauerdamm.
1929
10. April: Heirat mit Helene Weigel. Bekanntschaft mit Walter
Benjamin. Bei den Baden-Badener Musikfestwochen Uraufführung
der Lehrstücke Der Flug der Lindberghs und Das Badener
Lehrstück vom Einverständnis (Musik von Kurt Weill
und Paul Hindemith).
1930
Uraufführung der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
in Leipzig, der Lehrstücke Der Jasager, Der Neinsager
und Die Maßnahme in Berlin. Veröffentlichung
von Geschichten vom Herrn Keuner im ersten Heft der Versuche.
Am 18. Oktober Geburt von Brechts und Helene Weigels Tochter
Barbara.
1931
Arbeit an Die Mutter. Erste Entwürfe zu Die Rundköpfe
und die Spitzköpfe. Begegnung mit Walter Benjamin in
Südfrankreich.
1932
Beginn der Freundschaft mit Margarete Steffin. Die Mutter
wird in Berlin uraufgeführt, Die heilige Johanna der
Schlachthöfe in einer Rundfunkfassung gesendet (Uraufführung
des Stücks 1957 in Frankfurt a.M.). Brecht hört
bei Karl Korsch Vorlesungen über den Marxismus.
1933
Am 28. Februar, dem Tag nach dem Reichstagsbrand, fliehen
Brecht und seine Familie über mehrere Stationen nach
Paris. Dort Uraufführung von Die sieben Todsünden
der Kleinbürger. Übersiedlung nach Skovbostrand
bei Svendborg auf der dänischen Insel Fünen. Beginn
der Freundschaft mit Ruth Berlau.
1934
Arbeit
am Dreigroschenroman, der 1935 in Amsterdam veröffentlicht
wird, und am Lehrstück Die Horatier und die Kuratier.
In Paris erscheinen die Lieder, Gedichte, Chöre.
1935
Reisen nach Moskau, Paris und New York. Am 8. Juni wird
Brecht und seinen Kindern die deutsche Staatbürgerschaft
aberkannt. Ende Juni Rede auf dem Internationalen Schriftstellerkongreß
für die Verteidigung der Kultur in Paris.
1936
Zusammen mit Feuchtwanger und Bredel gibt Brecht in Moskau
die Exilzeitschrift "Das Wort" heraus. Uraufführung
der Parabel Die Rundköpfe und die Spitzköpfe in
Kopenhagen.
1937
Neben verschiedenen Reisen Arbeit an dem Einakter Die Gewehre
der Frau Carrar, der in Paris uraufgeführt wird. Veröffentlichung
der Svendborger Gedichte.
1938
Arbeit an der ersten Fassung von Leben des Galilei. Expressionismus-Realismus-Debatte
(Auseinandersetzung mit Lukács). Uraufführung
ausgewählter Szenen aus Furcht und Elend des Dritten
Reiches in Paris.
1939
Im Mai übersiedelt Brecht wegen der Kriegsgefahr nach
Schweden. Es entstehen Mutter Courage und ihre Kinder sowie
das Hörspiel Das Verhör des Lukullus.
1940
Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Dänemark
und Norwegen flieht Brecht mit seiner Familie und Margarete
Steffin nach Helsinki. Arbeit an den Flüchtlingsgesprächen.
1941
Uraufführung von Mutter Courage und ihre Kinder in
Zürich. Arbeit an Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo
Ui (Uraufführung 1958 in Stuttgart). Auf der Ausreise
in die USA über die Sowjetunion bleibt Margarete Steffin
schwerkrank in Moskau zurück, sie stirbt im Mai. Im
Juli Ankunft in den USA, Ansiedlung in Santa Monica, einem
Stadtteil Hollywoods.
1942
Drehbucharbeit für Fritz Langs Film Hangmen also die.
1943
Der gute Mensch von Sezuan und Leben des Galilei werden
in Zürich uraufgeführt. Arbeit an Schweyk im Zweiten
Weltkrieg (deutsche Erstaufführung 1958 in Erfurt).
Auseinandersetzungen mit Thomas Mann über eine Erklärung
zur Gründung des "Nationalkomitees Freies Deutschland".
1944
Mitarbeit im "Council for a Democratic Germany".
Arbeit an Der kaukasische Kreidekreis.
1945
Versuch einer Versifizierung des Kommunistischen Manifests.
Übersetzung von Leben des Galilei mit Charles Laughton
ins Englische und Herstellung einer neuen Fassung des Stücks.
Aufführung der amerikanischen Fassung von Furcht und
Elend des Dritten Reiches in New York.
1946
Brecht bereitet seine Rückkehr aus dem Exil vor.
1947
Aufführung von Leben des Galilei in Beverly Hills.
Am 30. Oktober Verhör Brechts vor dem "Committee
on Unamerican Activities" in Washington. Sofort danach,
am 1. November, Abflug aus den USA über Paris nach
Zürich.
1948
Uraufführung der Bearbeitung Die Antigone des Sophokles
in Chur und Herr Puntila und sein Knecht Matti in Zürich.
Niederschrift des Kleine[n] Organon[s] für das Theater.
Veröffentlichung der Kalendergeschichten.
1949
Übersiedlung Brechts nach Ost-Berlin. Dort Premiere
von Mutter Courage und ihre Kinder. Am 12. November präsentiert
sich Brechts Berliner Ensemble mit Herr Puntila und sein
Knecht Matti erstmals der Öffentlichkeit. Veröffentlichung
des Romanfragments Die Geschäfte des Herrn Julius Cäsar.
1950
Brecht erwirbt die österreichische Staatsbürgerschaft.
Er wird Mitglied der neu gegründeten Deutschen Akademie
der Künste. Neue Kinderlieder.
1951
Premiere von Die Mutter. Nach mehrmaliger Überarbeitung
Uraufführung der Oper Die Verurteilung des Lukullus
(Musik von Paul Dessau) in der Deutschen Staatsoper, des
Herrnburger Berichts auf den Weltjugendfestspielen in Ost-Berlin.
Herausgabe der Hundert Gedichte 1918-1950.
1952
Premiere von Die Gewehre der Frau Carrar. Deutsche Erstaufführung
von Der gute Mensch von Sezuan in Frankfurt a.M. Bearbeitungen:
Urfaust, Coriolan, Der Prozeß der Jeanne d`Arc zu
Rouen.
1953
Wahl Brechts zum Präsidenten des PEN-Zentrums (Ost
und West). Ungeachtet kritischer Vorbehalte rechtfertigt
er das Eingreifen der Staatsmacht am 17. Juni. Buckower
Elegien. Im Herbst Umzug in das Hinterhaus Chausseestraße
125. Arbeit an dem Stück Turandot oder der Kongreß
der Weißwäscher (Uraufführung 1969 in Zürich).
1954
Das Berliner Ensemble zieht in das Theater am Schiffbauerdamm.
Brecht wird Vizepräsident der Deutschen Akademie der
Künste. Premiere von Der kaukasische Kreidekreis. Brecht
erhält den Stalin-Preis "Für Frieden und
Verständigung zwischen den Völkern".
1955
Gastspiel des Berliner Ensembles in Paris mit Der kaukasische
Kreidekreis. Beginn der Proben zu Leben des Galilei.
1956
Im Mai erkrankt Brecht an einer Grippe, Aufenthalt in der
Berliner Charité. Am 10. August beteiligt er sich
zum letztenmal an den Proben des Berliner Ensembles. Er
stirbt am 14. August an den Folgen eines Herzinfarkts. Am
17. August wird er auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof
beigesetzt; am 18. August findet im Theater am Schiffbauerdamm
eine Totenfeier statt.
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